BLOG 3 Generationssprung auf dem Vlierhof

Ich möchte von meiner Erfahrung bezüglich des Generationsunterschiedes berichten.
Mein Wunsch ist es, dass jeder seinen oder ihren Traum leben und realisieren kann auf dem Vlierhof. Und ich glaube das passiert auch in großem Umfang. Beide, alt und jung, erfahren gerade wundervolle Zeiten hier auf dem vlierhof. Im Moment haben wir sechs Volunteers hier zwischen 19 und 22 Jahren. Eine von ihnen bis auf weiteres, die anderen für je drei Wochen oder etwas mehr.
Und ich glaube sie haben großen Spaß miteinander und auch mit den älteren Volunteers und den festen Bewohnern. Und das gibt mir Zufriedenheit in meinem tun.
Eine der wöchentlichen Aktivitäten, welche wir organisieren ist das wöchentliche sharing. Wir teilen uns mit, mit dem Ziel uns gegenseitig besser kennen zu lernen und zu fühlen.
Gestern war das Sharing, und ich glaube sagen zu können, dass alle Anwesenden es als Bereicherung ansahen. Die Art und Weise, wie jeder von sich erzählt, was in ihm lebendig ist, das genaue aktive Zuhören der anderen in der Runde, der Raum den wir für uns und für unser Miteinander kreieren.
Wie auch immer, niemand der jungen Leute nahm an dem Sharing teil…
Letzte Woche sagte ich ihnen, dass das Sharing ein integrativer Bestandteil des Volunteer Programms ist.
Darüber hinaus finde ich natürlich, dass niemand etwas tun soll, was er nicht möchte. So appelliere ich an jeden einzelnen ohne zu verlangen oder darauf zu bestehen.
Wenn ich an meine eigene Jugend zurück denke, hätte ich die Teilnahme vermutlich auch verschludert.
Ich wuchs in einer Großfamilie auf, trotzdem immer auf mich allein gestellt. Ab und zu konnte ich mich glücklich schätzen, wenn der Monat kam, indem wir in den Ferien zusammen campen fuhren. Wir sangen im auto Lieder etc., dann war meine Mutter auch mal richtig anwesend, erreichbar für uns Kinder. Das meiste Jahr waren die meisten von uns aber auf uns allein gestellt und mussten gucken, wie wir in der schule und im Leben alleine klar kamen.
Ich lebte sehr stark in meiner eigenen Welt und öffnete mich anderen gegenüber nur schwerlich. Ich lebte mich mit Ballsportarten aus, worin ich excellent war. Aber als Individualist, nicht als teamplayer…
Ich glaube Kinder leben heutzutage auch in einer Kontaktarmut, in den Schulen, zu Hause. Erst der Fernseher, später computer spiele, und nun bleiben kaum noch wünsche offen bei dem Angebot auf dem Computer oder dem Handy. Eltern tun dasselbe.
Sind da noch Zeiten wo die ganze Familie mal richtig zusammen sitzt und miteinander spricht? Essen Familien noch einmal am Tag alle zusammen an einem Tisch? Ist da eine Mutter, die erreichbar ist, wenn die Kinder von der schule kommen? Wo Kinder mit ihren kleinen und großen Sorgen und ihren Freuden einen Zuhörer finden?
Ich denke ich konnte mich glücklich schätzen in meiner Zeit. Ich war mir meiner Mängel bewusst, ewig in Sehnsucht nach der unerreichbaren Mutter. Ich habe das Gefühl, dass viele Kinder gar nicht die Möglichkeit haben heutzutage sich dieser Mängel bewusst zu werden. Dieser Mangel wird unterdrückt mit industrieller Babynahrung als Ersatz für die emotionale Bindung an die Mutterbrust. Wird die Mutter nicht schon trainiert, ihr Herz zu verschließen? Auch möglichst schnell ihre Arbeit jenseits ihrer Kinder wieder auszuführen? So verarmt die Gesellschaft an vielerlei Orten.
Zurück zum Vlierhof, hier und jetzt.
Ich möchte den Vlierhof als Projekt bezeichnen, wo alle Träume klar und lebendig werden können. Wo wir die Träume des einzelnen verbinden können mit gemeinsamen Träumen und so einen Glauben an etwas formen. Von da an ist die Vorraussetzung eine Kommunikation, ob mit Worten oder ohne. In vielen zeitgenössischen Lebensprojekten ist von Dragon Dreaming die Rede. Das ist die Vision und der Traum des einzelnen welcher sich verbindet zu einer größeren Vision einer Gruppe, worauf sich eine Motivation aufbaut einen Ort für die geteilten Träume zu kreieren, so dass jedermanns Traum Fortbestand hat.
Da ist immer noch viel Arbeit vor uns. Wie können wir die Träume besser kommunizieren? Für mich ist sharing das richtige Werkzeug dafür. Aber es funktioniert so leider noch nicht auf dem Vlierhof. Nun wollen einige Frauen im August kommen um herauszufinden, ob dies ein Platz für sie ist für ein gemeinsames Zusammenleben, sie haben unter anderem Erfahrungen im Bereich Dragon Dreaming. Ich schaue in diese Richtung. Wenn der Traum des einzelnen nicht klar ist und keine Zeit zum gemeinsamen Träumen ist, dann ist doch die Verbindung zueinander zum scheitern verurteilt. Dann rege ich mich plötzlich auf, wenn die jungen Leute um halb drei noch Gitarre spielen, wenn doch die Vereinbarung zu arbeiten von 14.00 bis 16.00 Uhr war. Und wenn ich um 15:30 durch denn essensaal gehe, frage ich mich, warum die Renovierung noch nicht abgeschlossen ist, während dort niemand zu finden ist. Und mir fallen weitere Punkte ein die mich stören, so dass ich schnell nur noch einen Schritt davon entfernt bin zu behaupten, dass junge Leute nur faul rumhängen, Alkohol trinken und mit Joints ihre Feten machen wollen. Wieviel Jahre habe ich selbst nur damit verbracht zu warten, dass die Zeit umgeht… während ich Dinge tat, die ich nicht wollte. Immer und immer versucht zu tun, was andere von mir wollten, so dass ich sogar manisch depressiv wurde. Als ich 35 Jahre alt war, entschied ich radikal einen Cut zu machen. Nun bin ich 64, es kostete mich viel Blut, Schweiss und Tränen. Ich realisierte, dass es mich meinen beruf kostete als Physiotherapeut, meine ehe mit drei hübschen Kindern und als letztes später bekam ich einen Sohn, nun 14, welchen ich gegen meinen Willen vier Jahre nicht sehen durfte. Ich würde ihn auf der Strasse vermutlich nicht erkennen. Aber glücklicherweise ist Licht am ende des Tunnels. Aber ich bin trotzdem glücklich, denn ich fand mich selbst dafür. Nur indem ich die Verbindung gebrochen habe zwischen denen, die an mich die forderungen erheben anders zu sein, als ich bin. Die, welche aus angst den status quo zu verlieren an ihrem alten festhalten wollen.

„Wir dienen der Welt nicht, wenn wir uns klein halten, nur um die Liebe der anderen nicht zu verlieren.“
„We don’t serve the world by keeping us small out of fear of losing the love of others‘
(Marianne Williamson, spoken by Nelson Mandela)

Es brauchte dreißig Jahre bis ich einen Platz in einer Gemeinschaft fand. Zwischendurch wurde ich weggeschickt, weil die Führung der Gemeinschaft meine Energie nicht erlaubte, welche scheinbar nicht zu deren Führung passte oder zu ihren Grenzen. Selbst auf dem Vlierhof wurde ich zweimal weggeschickt in den letzten Jahren. Aber das ist etwas, was ich schon immer kannte, weggeschickt zu werden. Aber auch meine Träume zu hinterfragen zwischen dem Drücken und Ziehen von anderen, meinen eigenen Weg zu finden und mir selbst treu zu sein. Mit dem Ergebnis, dass ich im dritten Anlauf, Gott sei dank, nun auf dem richtigen Platz sitze, welchen ich schon vor 14 Jahren als den Platz meiner Träume erkannte. Ein Platz der aus Liebe kreiert wird, wo jeder seine eigene Führung übernimmt anstatt einem Vorstand zu folgen. Wo wir uns alle gegenseitig unterstützen. Eine Vereinigung der wahren Liebe.
Die Herausforderung ist es, die Entwicklung von anderen auch in mir existierend zu erkennen. Also nicht in Dualität zu verfallen, alt gegen jung, und mich mit Urteilen vom Einssein zu trennen.
Gestern war so ein toller Moment des Zusammenkommens nach dem Sharing. Am Wochenende wurde einer unserer Mitglieder sehr wütend auf mich, weil ich einen früheren Volunteer bat eine Weile her zu kommen. So brachte das Schicksal eine Situation hervor, um mir den Teufel auszutreiben (und der gesamten katholischen Kirche mit mir) … Das Leben ist eine Theaterbühne. Humor ist oft die beste Waffe…. lachen wir darüber.
Vor einem Monat hatte ich einen so tollen Geburtstag, wir sangen Karaoke Lieder, welche mein Herz berühren, und wir hatten einen sehr gemütlichen Karaoke Abend zusammen. Warum wollen dann andere nicht diese schönen Gemeinschaftsabende teilen??? Die Lösung ist einfach, ich selbst muss mehr in der Gemeinschaft erreichbar sein, mehr gemeinsames gestalten, anstatt mich selbst im Büro zu verpflichten.
Und der Drachen träumt und lebt seine träume. Sind dort junge menschen und ältere, welche gerne antworten würden? Ich hoffe ihr teilt es mit.

Boudewijn, Regen erster Sommertag, June 21, 2016

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